Humaninteraktion
18. November 2009
Bevor ich’s vergesse. Eine Kollegin, ich sollte sagen, eine weise Kollegin, meinte Montag, ich solle mir Notizen machen. Denn Ideen sind stark, wenn das Vergessen ihnen nicht zuvor kommt. Und das Vergessen hat eine unglaubliche Kraft. So:
Wie funktioniert das mit der Sympathie? Kein Geheimnis. Wenn dir jemand das Gefühl gibt, und du bist dir sicher, er meint es absolut aufrichtig, du seist etwas Besonderes, ist es ein leichtes für dich, ihn ebenfalls für besonders zu halten. Das klingt wenig mystisch, ist es auch nicht. Dennoch gibt es trotz aller Fähigkeit, diese Abläufe bis aufs letzte zu enttarnen, zwei unbestechliche Punkte, die mir spontan einfallen und die mir mein Leben versüßen: Denn sie bringen die Mystik, die Unwillkürlichkeit, Schicksalhaftigkeit, ja womöglich Gottgewolltheit, zurück.
No 1) Sympathie entsteht ungeachtet des größten Willens, sie zu empfinden, nicht aus diesem Willen allein heraus. Da muss mehr sein, da ist mehr. Letztendlich will ich guten Gewissens folgendes behaupten: Besteht nicht im allerersten entscheidenden Moment auf beiden Seiten aus sich selbst heraus eine Mindestsympathie, so wird diese auch aus der größten Schmeichelei nicht erwachsen, sei sie noch so manipulativ oder noch so unwillkürlich aufrichtig.
No 2) Und das ist das grandiose daran. Einer kann intelligent und geschickt sein, und ich behaupte in diesem Fall bin ich so, all diese Abläufe mit seinem Verstand ergründen zu können. Zeit ist ein entscheidender Faktor in dieser Betrachtung. Denn die Abläufe erkennen lassen sich erst im Nachhinein. Und bevor jemand, absichtlich darauf Einfluss nehmen könnte, hat der mystische Ablauf bereits in seiner Gänze stattgefunden. Dieses Spiel zwischen Menschen von aufrichtiger Sympathie oder eben dem Mangel an ihr findet schneller statt, als dass jemand wirklich willentlich Einfluss darauf nehmen könnte. Er könnte sich bemühen und er würde möglicherweise eine Illusion erschaffen, für ihn selbst, das Gegenüber, einen Kanon des schönen Scheins. Wirkliche Sympathie ensteht nicht aus Manipulation.
Und aus aufrichtiger Sympathie erwachsen aufrichtige Freundschaft, aufrichtige Liebe, ungeachtet von sozialem Status, persönlichen Zielen, sexuellem Trieb. Wirkliche Sympathie, Freundschaft, Liebe, welche großartige Worte. Sie dürfen wirklich wieder so großartige Konstrukte zieren, die ihre Großartigkeit aus ihrer Unwillkürlichkeit schöpfen. Wer etwas wirklich hätte so haben wollen, wäre er am Ende glücklich, es einzig und allein aufgrund seines eigenen Willens erreicht zu haben? Oh nein, gefehlt. Auch uns aufrichtige Freude zu bescheren, bedarf etwas Größerem als uns selbst.
Alpha 21
27. April 2009
Und da trat einer in unser Leben und machte sich bemerkbar, indem er uns bemerkte. Ob wir ihm deutlich sagten, „das ist es, was ich will“ – oder es selbst nicht einmal wussten: Er machte uns glauben, dass er es war, der es uns geben konnte, und nur er.
Er hielt uns den Spiegel vor und zauberte ein Fenster zu der Realität, die unseren Vorstellungen und Wünschen entsprach. Die Rolle die er spielte, war nicht selbstinduziert. Simple Methoden, wie sie in jedem zweiten Ratgeber zu finden waren, jedoch in ihrer Art und Weise so konsequent, dass die ganze Gestalt dieses Menschen eine schlichte Komposition dieser Methoden war. Die Wahrheit, die er schuf, war von uns erschaffen. Und seine ganze Erscheinung von unserer Phantasie genährt.
Am Ende wird ein jeder von uns ins Zweifeln und Staunen geraten, ob die Person jemals existierte. Persönliches Engagement welcher Art auch immer, das am Ende komplett ertraglos ausfiel, hätte ein jeder für sein Hobby, seinen Traum, seine Wünsche ohnehin investiert. Den Verlust auf den Spiegel zu projezieren, in Persona einfache Konsequenz, und doch spiegelt der Spiegel immer nur uns selbst – mit Herzblut, Risiko – und Erfolglosigkeit. Da ist so gar nichts von Zauberei.
Zwei Wochen danach…
14. Januar 2008
…habe auch ich das neue Jahr langsam begriffen. Hier noch ein Nachtrag zur Böllerthematik im engeren Sinne, aufgeschnappt im Forum der StZ:
Google ist nicht böse – und kein Global Player
7. Dezember 2007
Zumindest ist Google kein Player. So lautet eine der Thesen einer Studie der TU Graz, deren Fazit heise online wie folgt zusammenfasst:
Der Suchmaschinenprimus schicke sich nicht nur an, den Schutz der Privatsphäre auf dem Müllhaufen der Geschichte zu entsorgen,[...] Google habe in unerhörter Art und Weise Macht angehäuft, sodass ein Gegenangriff überfällig sei.
Diese Macht ermögliche es Google bereits heute, die Wirtschaft so vorauszusagen, dass Aktiengewinne an den Börsen der Welt für den Konzern keineswegs eine Frage von Glück oder guter Beratung durch Analysten sein müssten. Google ist ein Global Player, aber kein Player. Denn der Aktienmarkt basiert auf der Spieltheorie: Es muss zu jedem Gewinner auch Verlierer geben, sonst funktioniert das Spiel nicht. Google hat es nicht nötig, mitzuspielen.
Dass Google sehr vieles nicht nötig zu haben scheint, muss auch den Verfassern der Studie aufgefallen sein. Zumal die drastischen Einschätzungen ihren Ausgangspunkt ursprünglich in der Tatsache fanden, dass zunehmend Diplom- und Doktorarbeiten per Copy&Paste von Suchergebnissen mit Inhalt gefüllt wurden, ohne die Quellen anzugeben. Dass sich aus der Kritik an dieser Tendenz im wissenschaftlichen Arbeiten eine Kritik an Google selbst entwickelte, verwundert wenig. Suchte ich gerade eben nach dem Heise-Artikel zur Veröffentlichung der Studie, so spuckte mir Google zu den Suchbegriffen „dangers google“ jede Menge Veröffentlichungen zu von Google induzierten Gefahren aus, erst eine Einschränkung auf deutsche Seiten erbrachte dann das gewünschte Ergebnis.
Zumindest noch, denn Google stehen bei der Erbringung seiner wirtschaftlichen Dienstleistungen der Weg der Zensur m.E. jederzeit offen. Auch wenn dies nicht durch Gesetze, wie Google sie in China brav befolgt, von vornherein gefordert wird. Ein kleiner Hinweis in einer weniger prominent platzierten Policy dürfte reichen, um Google-Kritik in Zukunft in Google nicht mehr erscheinen zu lassen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Google-Wirklichkeit von der restlichen Wirklichkeit enorm abweichen wird. Die entscheidende Frage ist dann aber, wie groß dieser Rest im Vergleich zu Google sein wird. Und wie abhängig der Internetnutzer bis dahin noch von Google wird. Selbst in einem mir eher sympathischen Browser wie dem Mozilla Firefox ist Google so fest verankert, dass es schwer ist, Google-frei zu leben.
Googles Zensur in China empört die Menschen, jedenfalls die geneigte Masse innerhalb der westlichen Welt. Dass nicht nur Google, sondern auch andere prominente Unternehmen wie Microsoft und auch Yahoo, die Zensur schon länger in Kauf nehmen und aktiv mit umsetzen, muss ebenfalls gesagt werden. Ob bei Google im Vergleich dazu ein besonders schwerer Fall vorliegt, wage ich zu bezweifeln, auch wenn Google’s Slogan „Don’t be evil“ oberflächlich etwas anderes erwarten lassen könnte.
Google ist der Marktführer, in Deutschland und bestimmt auch im größten Teil der restlichen vernetzten Welt. Angesichts immer neuer Data mining – Anstrengungen des Unternehmens, der enormen Macht, die es besitzt und ausübt, ist es an der Zeit als Verbraucher gegenzusteuern. Gute Alternativen gibt es allemal, Google ist nicht mehr das Page-Rank-Wunder und Non-Plus-Ultra, das es war, als der erste Hype ausbrach. Und auch wenn Konkurrenten in einzelnen oder vielen Fällen nicht viel weniger Dreck am Stecken haben, so ist es doch ein Schritt in die richtige Richtung, sich von Google zu verabschieden. Solange ein wirtschaftliches Unternehmen wirtschaftliche Konkurrenz besitzt, ernst zu nehmende und ebenso mächtige Konkurrenz – und das steht und fällt mit dem Nutzer -, so lange muss und kann es sein Machtstreben nicht auf die Gesellschaft und deren Wahrnehmung der Realität ausdehnen.
Wessen freudige Zukunftsvisionen also nicht von einer fiktiven werbe-induzierten Pseudowelt handeln, sollte den Schritt wagen und sich bessere Suchmaschinen, Bilderalben, Blogs und Startseiten aussuchen. Yahoos Startseite, die ich seit gestern nutze, kann ebenso viel wie die von Google, hat mehr Themes und macht selbst mit einem star sprangled banner im Hintergrund, dem m.E. hübschesten Theme, trotz Angriffskriegen und USA-Hetze mehr Spaß als iGoogle. Nebenbei hat sie auch noch eine schönere URL – und über das bisschen Werbung kann ich hinwegsehen, wenn ich weiß, dass ihr Fortbleiben nicht mit dem heimlichen Unterschieben des Zigfachen an Werbung ausgeglichen wird.
