Homosexuelle Transphobie

1. September 2019

Wir kamen spät. Der kleine Saal des Arthauskinos war heute doch etwas voller als gestern. Nach der Werbung kam ein drahtig-austrainierter Mann in den Saal. Das Licht ging an, er sagte „Willkommen zum Queer Film Festival“. Es wurde nur ganz kurz still, ich fing an zu klatschen, Applaus setzte ein. Der Moderator sagte, schön, bekannte Gesichter aus den letzten Tagen hier zu sehen. Er meinte auch mich, denn ich hatte ja gestern beim ersten Film gelernt, dass er jetzt auf Applaus wartet.

Der Film, Coming-of-Age, eine Geschichte über Mobbing in der High School aufgrund so überhaupt nicht eindeutiger Grenzüberschreitungen, hatte deutlich mehr Publikum angezogen, als der erste, den wir sahen, ein ausgesprochen uneindeutiger Film über die Subkulturen in Mexiko in den späten Achtzigern.

Wie ich befürchtete, hatte der Coming-of-Age-Film deutlich mehr, auch jüngere, Schwule angezogen. Mit „Jünger“ meine ich allerdings immer noch 30/40+, als immer noch deutlich älter.

Der Film war schön und er war gut. Die Verwendung von Musik, wie sie als Hintergrundmusik startete und dann doch auf den Ohrhörern der Protagonisten Teil der Handlung war, war schön. Zugegeben: Ich fand auch einfach die Musik schön.

Die Fellow Gays im Kinosaal, ich hätte sie mir irgendwie eh nicht unbedingt gewünscht, was für ein groteskes Gefühl, extra zum „Queer Film Festival“ und dann auch noch andere Homosexuelle als Zuschauer „ertragen zu müssen“. Gründe dafür könnte ich sicher finden, sie fanden sich in diesem Fall jedoch von selbst:

Nachdem wir das Kino verließen, den Film und die Platzierung der Musik für gut, die Inszenierung für wenig kitschig (obwohl sehr berührend) und die Darsteller natürlich eh für gutaussehend befanden, kam ich auf unser Mitpublikum und zwei Dinge, die ich in ihrer Reaktion bemerkenswert und eigentlich störend fand.

Beides manifestierte sich für mich klimaktisch in der einen Szene, in der die ehemals  beste Freundin, die gerne einen künstlichen Penis in ihrer Hose in die Schule trägt, den Hauptdarsteller, der gerade ordentliche Probleme aufgrund eines ungewollten Coming-Outs als Schwuler (obwohl er gar nicht weiß, ob er das denn ist), besucht, um ihm ihre Solidarität zu bekunden.

Ihr naives und authentisches Interesse an einem männlichen Genital versetzte die Fellow Audience in nahezu pubertierendes Gekicher. Nicht zum ersten Mal, denn bei jedem Anlass im Film, in dem sie ihre doch einfach ziemliche queere, vielleicht „gar“ Transgender-, Selbstsicht offenbarte, so unverkrampft und gelassen, wie sie damit halt eben umging, brüllte fast der gesamte kleine Kinosaal laut lachend los. Und mir kam wieder und wieder nur dieser Tweet von vor ein paar Tagen in den Sinn, der so in etwa lautete, dass „das Schlimmste, weiße CIS-Homosexuelle sind, die Transphobie verbreiten“, oder kürzer, und gerne ohne Anführungszeichen: Das Schlimmste sind Schwule, die transphob sind.

Diesen Quatsch hier in Tagebuchform möchte ich nur als Vorgeschichte „Leser*innen“ und meinem zukünftigen Ich auf den Weg geben, bevor ich zur Sache komme und das „Pamphlet“ beginne, das ich hier niederschreiben wollte:

Homosexuelle und Bisexuelle (Brüder und Schwestern), die die Rechte und die Probleme von Transgendern und Genderqueeren nicht ernstnehmen, nicht sehen, nicht valide finden oder sich für diese bzw. gegen diese nicht einsetzen, haben in ihrer eigenen  Selbstauffassung ihr eigenes ungestörtes Leben und Seelenheil nicht verdient.

Homosexuelle, die den Struggle nicht anerkennen, den Transgender erfahren und durchmachen müssen, haben vermutlich den Struggle Homosexueller selbst nicht mehr erlebt und nicht mehr erleben müssen. Anders kann ich mir das nicht erklären.

Und ja, liebe Hetero-, CIS-, Ex- und aktuellen Freunde: Wenn ihr Transgender nicht akzeptieren und lieben könnt, dann habt ihr euch bei eurer vermeintlichen Akzeptanz und Liebe, die ihr mir als CIS-Homo entgegenbringt, einfach verkalkuliert. Dann akzeptiert ihr nicht mich als Nicht-Heterosexuellen, sondern nur mich als Individuum, als eure Vorstellung von mir als Individuum, als Konzept, das euch gerade so viel abringt, wie ihr meint, dass ihr ertragen könnt.

Wenn ihr, liebe mich „Liebenden“, ein Problem mit Transgendern, Gender Fluidity und Gender Queerness habt, dann habt ihr eigentlich insgeheim auch ein Problem mit Homo-, Bi- und Pansexuellen. Nur dass ihr halt eben den einen oder anderen, also mich, kennt und liebt und euch den Rest der Realität und eurer beschissenen „konservativen“, normalistischen Weltsicht zurechtbiegt. Wenn ihr den Struggle von Transgendern nicht ernstnehmen könnt, dann habt ihr den Struggle, den ich hatte, nicht verstanden.

Übrigens:

Und ja, liebe transgender Brüder, Schwestern, Geschwister, liebe Homo-, Bi- und Demi- und Asexuellen, wenn ihr mir sagt, dass meine Pansexualität einen Fehler im System hat: Dann habt ihr auf der sexuellen Ebene meines Erachtens Recht. Denn dort, auf der sexuellen Ebene (und was Liebe und sowas angeht), ist Pansexualität ein Konzept, das sich womöglich problemlos komplett ergiebig in dem Begriff Bisexualität auflöst.

Und wenn ich trotzdem weiter Pink-Gelb-Blau schwenke und mich als Pan bezeichne, dann ist das kein Widerspruch. Sondern ein politisches Statement. Eines, das ich in diesem Text versucht habe, auszuführen.

Pan ist politisch. Weniger Weltsicht und sexuelle Orientierung als ein politisches Statement. Eines, das da lautet: dass ich mit jede*m und jede*r ins Bett gehe ;), soweit die nicht glauben, dass ich noch einen hoch bekommen würde, wenn sie mir erzählen, dass eine mittlerweile anerkannte Abweichung von der Norm (z.b. Homo zu sein) ok wäre, eine andere (z.B. FTM) aber eher nicht so. Denn dann liebe Leute, sorry, ist bei mir politisch und sexuell die Liebe und damit auch die Luft leider raus.

ausgerechnet Julian Assange, ausgerechnet er, mit so einem langen weißen Bart, als er die Botschaft verlässt, die doch sein Zufluchtsort war für so lange. Hatte er etwa mit dem, was heute passierte, gerechnet?

Insbesondere dieses Detail an seinem Auftritt, dem des einstigen „Strippenziehers“, verwunderte mich doch sehr… wie konnte das sein? wie konnte er *so* aussehen?

Ausgerechnet Assange, ausgerechnet der, der lange Zeit als der selbstbewusste Good-Looker der Whistleblower-Szene galt.
Was war passiert? Und was schreibe ich hier überhaupt?

Beide Fragen treffen sich ein bisschen in dem Versuch einer Antwort.

Assange, der einst mit Manning aufdeckte, was heute halt einfach jeder weiß: Prism. Die NSA durchleuchtet im Auftrag ihrer Regierung sämtlichen Datenverkehr. Heute wissen wir das alle, damals war das ein riesen Skandal. Assange, ein bisschen sind wir ihm bis heute dankbar dafür, dass wir das jetzt wissen. Aber wir wissen es ja jetzt. Wer braucht heute noch Assange.

Der Versuch, eine Antwort hat viel zu tun mit einem Moment: Zeit. Es ist sehr viel Zeit vergangen. Mindestens sieben Jahre ist es her, da haben Manning und er sich um Kopf und Kragen geleakt, die eine ging in den Knast, der andere knastete sich selbst in einer Botschaft ein. Wow, wen interessiert das heute noch, wie? Ja, hey, hallo, Julian Assange, war mal ein Mann wie ein Wald. Oder eine CO2-Bilanz, oder eine europäische Desintegration. Wen interessiert heute Julian Assange?

Als Julian Assange vor sieben(?) Jahren in die Botschaft Ecuadors in London floh, war das kein Nebensatz, sondern großes Politikum und eine Schlagzeile, die alle Menschen in der westlichen Welt in großen Aufruhr versetzte. Aber warum war das so? Und warum ist dieser Mann heute zwar eine Schlagzeile, aber keinen Aufschrei mehr wert?

He had it coming.

Dieser Blogbeitrag ist schon viel zu lang und vor allem soll er eines ausdrücken: Meine Meinung. Insofern, hier bitte: Antwort 1 lautet, er hat es kommen sehen.

Sieben Jahre in einer sehr kleinen Botschaft, in einem kleinen Zimmer, mit einem kleinen Balkon. Wie wir heute erfahren, mit einem Bad, das er wohl in keinem guten Zustand hinterlassen hat.

Ein Mensch, der einst, die Welt darüber aufklärte, dass Big Brother schon längst zum Leben erwacht ist, dass Regierungen im Westen nicht mehr an ihren Souverän glaubten. Gemeinsam mit Chelsea hat Julian eine Schockwelle ausgelöst, die unsere Demokratien verändert hat, zum Glück:

Der NSU-Prozess, ein jahrelang ausgearbeiteter Mueller Report, heftige Debatten im britischen Unterhaus zum sog. Brexit, ein offener, konfrontativer Umgang im Bundestag mit der Fraktion der sog. AFD, sie alle wären sicher ohne Assange und Manning so nicht möglich geworden.

Assange hat den Diskurs geöffnet. Politiker sehen sich selbstverständlicher wieder in der Verantwortung ihren Wählern gegenüber, Wähler, die immerhin den Souverän bilden in unserer geliebten Demokratie. Das scheint heute so platt und selbstverständlich. In der Zeit von Assange war es das nicht.

Die Zeit von Assange scheint aber, vorbei zu sein. Daher wächst ihm ein Bart. Ihm, dem Menschen. Dem Menschen, der bei all dem nun unter die Räder gerät.

No need for Assange.

Ohnehin sind heute andere Fragen von akutem Interesse. Mein Land und Frau Dr. Merkel haben gerade so überlebt, dass angesichts eines großen Flüchtlingsstroms (lol, sorry, jk), dass es sich heimzahlt, wenn Europa auf Kosten ganzer Länder und Kontinente Gewinnoptimierung betreibt. Abgesehen davon haben nun leider auch die BLÖKEN erkannt, dass es mit unserer Welt ziemlich zielsicher Richtung Abgrund geht (und das nicht erst in 100 oder 20 Jahren).

Manning und Assange haben uns aufgeklärt. Wir brauchen sie beide nicht mehr. Chelsea Manning bekommt heute, Haft abgesessen, zur Hälfte Berichte aufgrund ihres guten Aussehens. Was eine süße Welt… einige jugendliche Transsexuelle würden sich über so viel „gut gemeinten“ Zuspruch freuen, Manning würde sich sicher freuen, wenn man sie weiter als IT-Sicherheitsexpertin befragen würde und nicht als „tolles Beispiel“…

Aber wir wissen jetzt halt Bescheid. Manning, Assange, Snowden. Wer braucht die noch? Und ja, Edward Snowden, als selbsternannten Politikkommentator brauch ich wirklich auch nicht. Aber Manning und Assange haben uns damals etwas mitgeteilt, was wir bis dahin nicht wussten. Was wir seitdem wissen. Was zwischendrin unser ganzes Weltbild verändert hat.

Einer der Whistleblower, die den Cum-Ex-Skandal aufdeckten, wurde just gestern in der Schweiz zu einer sechsstelligen Geldstrafe verurteilt.

Wir brauchen keine Mannings und Assanges mehr. Wir wissen es ja alles bereits. Aber ist das so?

 

bubu :) Ablage…

7. August 2010

Love won’t ever make anyone unhappy.

Hysterisches Kleinkind, das sich auf der Stelle in etwas oder jemanden verlieben kann und alles soooooo süß findet? Hehe, ich bin noch viel schlimmer als das. =) Die meisten Tränen vergieße ich aus Freude. 😉

Und dann kam er doch tatsächlich her und meinte, wir müssten gar nicht so auf harte Männer tun, er wüsste doch, dass das auch nur unser Südländer-Image wäre und dass wir doch in Wirklichkeit auch nur treue, liebenswerte Menschen seien, die sehnsüchtig auf den Richtigen warteten. So ein Spinner, ey, alda, ich sags dir!

„keine Sperenzchen, kein Getue, keinen Schein, nur ein Herz und ein Verstand… …“
puh, klingt aber doch leicht negativ, wenn das da so steht xD

— Hey, it’s not my fault, that I fell in love with you. =)

… wird man mittlerweile per Google gegengecheckt.

Am 3. März vermeldet meine Website-Statistik (jaja, Google Analytics, na gut ^^) folgenden ISP:
losch airport service gmbh
Das Datum passt ziemlich gut in den Zeitraum, als ich meinen Flug gebucht habe. Abflugort STR, ratet mal, wer sich da um den Ground Service kümmert. Und womöglich auch noch um die nachhaltige Errichtung eines sicheren Betriebs durch vorheriges Googeln der Fluggäste…

Alles muss raus

24. Januar 2010

Überbleibsel aus meinem Profiltext Den Rest des Beitrags lesen »