The ‚L‘ words

14. Mai 2007

Vielleicht ist es an der Zeit, mal etwas über die nervigste Angelegenheit überhaupt zu sagen. Eine Tätigkeit, die mich unter Freunden aufregt wie keine andere: Lästern.

Warum tun Leute es? Und wann tun sie es? Wann fängt es an und wie bekommt man es wieder los, wenn das überhaupt geht?

Ich höre mich immer wieder von Loyalität reden. Und schäme mich fast dafür. Denn aus meinen Aussagen zu diesem Thema schreit ein innerstes Bedürfnis. Insofern sind sie aber authentisch. Denn dieses Bedürfnis ist eben das nach Loyalität. Ich habe mich soweit ich ein aufgeklärt und aufklärerisch denkender Mensch war immer mit Freunden umgeben, die loyal waren. Ich war es ebenso. Irgendwann begannen sie alle zu lästern. Das war aber kurz bevor sie mich vergaßen, was heißen soll, dass nicht das Lästern an sich ein Problem war sondern lediglich ein Phänomen des Auseinanderlebens. Es waren gute Freundschaften. Loyalität bedeutet nicht nur Verlässlichkeit, es bauen so viele gute Eigenschaften einer Freundschaft überhaupt erst darauf auf.

Nun stellt sich die Frage, wieviel Lästern kann Loyalität ertragen. Denn auch ich erwische mich dabei, wie ich in spöttischem Ton kritisch über meine Freunde rede. Vielleicht da, wo aus spöttisch abfällig wird. Ich denke, das muss jeder für sich beantworten. Ich fühle mich in diesem Spott nicht immer wohl, wenn ich so darüber nachdenke. Aber meistens sind es Themen, die ich auch offen ansprechen würde. Um das überhaupt tun zu können, braucht es wiederum gegenseitige Loyalität. Dennoch habe ich diese Frage für mich anders beantwortet: Loyalität hört in dem Moment auf, in dem gelästert wird, um sich selbst in hohem Maß zu pushen und von eigenen Problemen oder auch nur Macken abzulenken. Beweggründe solcher Art sind niedere Gründe. Wenn diese gegeben sind, wirds meist eklig. Und dann ist nicht nur die loyale Komponente einer Freundschaft gestört. Leute haben mich schon gefragt, warum ich so sarkastisch und zynisch ihnen gegenüber bin. Ich will es ihnen hiermit beantworten: Es ist meine Reaktion auf eben geschildertes Verhalten.

Bleibt noch ein ganz anderer Freundschafts-Typ zu erwähnen. Einer, der mir bereits zur Schulzeit vertraut und mittlerweile auch sehr genehm wurde. Vor ein paar Jahren fragte mich mein bester Freund, was mir lieber sei. Die Freundschaft mit ihm, in der es auch öfters mal krachte. Oder eine oberflächliche und so called „scheiss-freundliche“ Freundschaft mit seiner Freundin. Ich sagte ihm, dass es mir dann doch sogar lieber sei, eine Freundin zu haben, von der ich zwar wisse, dass sie es eben so wenig ernst meinte wie ich, die mir aber nie blöd komme sondern vor mir immer die absolut beste Freundin sei.

Solche Menschen sind mir immer noch lieb. Ich gehe gern mit Menschen um, von denen ich 100%ig weiß, dass ich mich in Krisensituationen nicht auf sie verlassen kann, und 80% weiß, dass sie hinter meinem Rücken über mich lästern, die aber vorneherum die nettesten und loyalsten Menschen zu sein scheinen. Solange sich das auf einer Ebene abspielt, durch die von Anfang an beide wissen, dass es nur Honig ist, den man sich gegenseitig ums Maul schmiert.

Soll nicht heißen, dass mir solche Freundschaften mehr bedeuteten oder wirklich lieber seien. Es tut nur weniger weh, wenn man sich irgendwann auseinanderlebt oder „herausfindet“, dass die Loyalität nur gespielt war. Ich entschied mich damals übrigens für die keineswegs stressfreie, aber offene und loyale Freundschaft mit ihm.

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