Eine schöne Party

12. Juni 2007

Samstag, neunter Juni. Junge Menschen strömen herbei. Man unterhält sich, es wird gelacht. Ich lache mit, von ganzem Herzen und mache doch nur gute Mine zum bösen Teil dieses Spiels.

Die Jusos feiern ihre Jahreshauptversammlung, das ist so etwas wie Halloween, nur eben ohne auffällige Masken. Sie sind unauffällig. Süßes oder Saures gibt es aber auch. Gib mir Süßes, sonst gibt’s Saures. Heißt in diesen Kreisen: Unterstütze uns und behindere unsere Arbeit nicht, sonst lassen wir dich abwählen.

Letzteres funktioniert hier wie auch in der Mutterpartei übrigens sogar ohne eigenes Zutun. Schon längst ist eine Art Remote-Vorgehen eine gern gewählte Alternative zum Selberwählen und -dürfen. Man kann ja auch nich überall und in jedem Gremium sein.

Klaus ist da, er wohnt in einer beschaulichen Kleinstadt in Baden mit dreisigtausend Einwohnern, arbeiten tut er in Stuttgart. Auf die Frage, wo er gerade herkommt, antwortet er mit Mannheim. Das hätte er wohl auch gesagt, wenn man ihn gefragt hätte, zu wem er gehört.

Generell sind die Ausläufer dieser Stadt heute gut vertreten. Juso-Urgesteine, die man jedes Jahr mal sieht – und Juso-Größen, die sich eigentlich schon lange verabschiedet hatten. Aber heute geht es um etwas. Man könnte es vergleichen mit einer Polizeiaktion, bei der Hausbesetzer verhaftet und abgeführt werden sollen. Ich sitze gerade im zweiten Stockwerk links, bei den Papierbergen.

Die Besetzer wehren sich, weißen darauf hin, dass sie im Gegensatz zu „diesen Spießern“ auch mal die Innenwände gestrichen hätten, um das Haus einladender zu gestalten, für all diejenigen, die es besuchen wollten. Und auch die Tür stünde bei Ihnen öfter und länger für alle offen. „Ach was! Gebt doch den Außenwänden auch mal wieder eine Chance“, tönt es da von der Garde draußen, die bestimmt auf die Front des Hauses zustürmt. Es wird kein Kraftakt werden, jetzt wo die Hundertschaften da sind.

Das Haus ist neu besetzt. Nicht lange wird es dauern, bis mit den Malerarbeiten begonnen werden wird. Aber die Innenwände werden wieder verrotten und in die Abgründe der neuen Hausbesitzer blicken lassen. Nur wird die Tür nicht offen stehen, so dass nicht zu viele diese zu Gesicht bekommen.

Nach den Wahlen sagte mir ein alter Freund, der mit am Sturz der basisdemokratisch-linken Vorstandsmehrheit beteiligt war, folgendes: Bei mir tue es ihm leid, denn er respektiere meine Arbeit. Ein anderer ließ verlauten, aber wir wüssten ja, warum das habe sein müssen.

Für Demokratie, direkt und von der Graswurzel an nach oben, stehe ich, für faire Regeln und ehrliche Verfahren. Abgewählt wurde ich von einer organisierten Masse von Menschen, deren Gesichter ich frühestens in einem Jahr wieder sehen werde und die ihre Stimmzettel bei einigen wenigen abschrieben. Es stört mich nicht, abgewählt worden zu sein.

Aber ich wurde auch besiegt.

Vorerst zumindest.

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