Google ist nicht böse – und kein Global Player

7. Dezember 2007

Zumindest ist Google kein Player. So lautet eine der Thesen einer Studie der TU Graz, deren Fazit heise online wie folgt zusammenfasst:

Der Suchmaschinenprimus schicke sich nicht nur an, den Schutz der Privatsphäre auf dem Müllhaufen der Geschichte zu entsorgen,[…] Google habe in unerhörter Art und Weise Macht angehäuft, sodass ein Gegenangriff überfällig sei.

Diese Macht ermögliche es Google bereits heute, die Wirtschaft so vorauszusagen, dass Aktiengewinne an den Börsen der Welt für den Konzern keineswegs eine Frage von Glück oder guter Beratung durch Analysten sein müssten. Google ist ein Global Player, aber kein Player. Denn der Aktienmarkt basiert auf der Spieltheorie: Es muss zu jedem Gewinner auch Verlierer geben, sonst funktioniert das Spiel nicht. Google hat es nicht nötig, mitzuspielen.

Dass Google sehr vieles nicht nötig zu haben scheint, muss auch den Verfassern der Studie aufgefallen sein. Zumal die drastischen Einschätzungen ihren Ausgangspunkt ursprünglich in der Tatsache fanden, dass zunehmend Diplom- und Doktorarbeiten per Copy&Paste von Suchergebnissen mit Inhalt gefüllt wurden, ohne die Quellen anzugeben. Dass sich aus der Kritik an dieser Tendenz im wissenschaftlichen Arbeiten eine Kritik an Google selbst entwickelte, verwundert wenig. Suchte ich gerade eben nach dem Heise-Artikel zur Veröffentlichung der Studie, so spuckte mir Google zu den Suchbegriffen „dangers google“ jede Menge Veröffentlichungen zu von Google induzierten Gefahren aus, erst eine Einschränkung auf deutsche Seiten erbrachte dann das gewünschte Ergebnis.

Zumindest noch, denn Google stehen bei der Erbringung seiner wirtschaftlichen Dienstleistungen der Weg der Zensur m.E. jederzeit offen. Auch wenn dies nicht durch Gesetze, wie Google sie in China brav befolgt, von vornherein gefordert wird. Ein kleiner Hinweis in einer weniger prominent platzierten Policy dürfte reichen, um Google-Kritik in Zukunft in Google nicht mehr erscheinen zu lassen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Google-Wirklichkeit von der restlichen Wirklichkeit enorm abweichen wird. Die entscheidende Frage ist dann aber, wie groß dieser Rest im Vergleich zu Google sein wird. Und wie abhängig der Internetnutzer bis dahin noch von Google wird. Selbst in einem mir eher sympathischen Browser wie dem Mozilla Firefox ist Google so fest verankert, dass es schwer ist, Google-frei zu leben.

Googles Zensur in China empört die Menschen, jedenfalls die geneigte Masse innerhalb der westlichen Welt. Dass nicht nur Google, sondern auch andere prominente Unternehmen wie Microsoft und auch Yahoo, die Zensur schon länger in Kauf nehmen und aktiv mit umsetzen, muss ebenfalls gesagt werden. Ob bei Google im Vergleich dazu ein besonders schwerer Fall vorliegt, wage ich zu bezweifeln, auch wenn Google’s Slogan „Don’t be evil“ oberflächlich etwas anderes erwarten lassen könnte.

Google ist der Marktführer, in Deutschland und bestimmt auch im größten Teil der restlichen vernetzten Welt. Angesichts immer neuer Data mining – Anstrengungen des Unternehmens, der enormen Macht, die es besitzt und ausübt, ist es an der Zeit als Verbraucher gegenzusteuern. Gute Alternativen gibt es allemal, Google ist nicht mehr das Page-Rank-Wunder und Non-Plus-Ultra, das es war, als der erste Hype ausbrach. Und auch wenn Konkurrenten in einzelnen oder vielen Fällen nicht viel weniger Dreck am Stecken haben, so ist es doch ein Schritt in die richtige Richtung, sich von Google zu verabschieden. Solange ein wirtschaftliches Unternehmen wirtschaftliche Konkurrenz besitzt, ernst zu nehmende und ebenso mächtige Konkurrenz – und das steht und fällt mit dem Nutzer -, so lange muss und kann es sein Machtstreben nicht auf die Gesellschaft und deren Wahrnehmung der Realität ausdehnen.

Wessen freudige Zukunftsvisionen also nicht von einer fiktiven werbe-induzierten Pseudowelt handeln, sollte den Schritt wagen und sich bessere Suchmaschinen, Bilderalben, Blogs und Startseiten aussuchen. Yahoos Startseite, die ich seit gestern nutze, kann ebenso viel wie die von Google, hat mehr Themes und macht selbst mit einem star sprangled banner im Hintergrund, dem m.E. hübschesten Theme, trotz Angriffskriegen und USA-Hetze mehr Spaß als iGoogle. Nebenbei hat sie auch noch eine schönere URL – und über das bisschen Werbung kann ich hinwegsehen, wenn ich weiß, dass ihr Fortbleiben nicht mit dem heimlichen Unterschieben des Zigfachen an Werbung ausgeglichen wird.

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2 Responses to “Google ist nicht böse – und kein Global Player”

  1. maxfanta Says:

    Das mit Yahoo hat sich dann ja dann auch erldigt….

  2. raaphi Says:

    Naja, Yahoo hat sicher keine saubere Weste, aber wesentlich weniger Macht. Und primär geht es (mir) darum, dass ernst zu nehmende Konkurrenz auch immer mehr Skrupel aufgrund höherer Bedeutung von PR bedeutet, Skrupel der Gesellschaft gegenüber.

    Microsoft ist im Betriebssystem-Segment gezwungenermaßen auf dem absteigenden Ast. Und versucht gerade nur eins, eine Konkurrenz gegen Google zu etablieren. Niemand nimmt es dem üblen Konzern Sun krumm, dass sie OpenOffice subventionieren. Ich sehe es ebenso wenig kritisch, dass nun Yahoo finanziert werden soll, das mit seinem Konzept für Internetwerbung lange noch nicht richtig ankommt. Die Anstrengungen, auf diesem Markt gegen Google anzukommen, geben mir eher Anlass zur Freude.

    Näheres dann auch hier
    http://www.zeit.de/online/2008/06/microsoft-google-yahoo-montag
    und generell in der ZEIT, auch wenn die wahrscheinlich böse mitspielen, zumal sie ja die Yahoo-Suche eingebunden haben, die man ja sonst nur von Google benutzen darf.

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