Alles muss raus

24. Januar 2010

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Liebe und Hedonismus

24. Januar 2010

Liebe in ihrer Beschaffenheit ist hedonistisch und nicht mehr oder weniger als das. Sie ist eine Erfindung der höheren Autorität, Menschen glücklich zu machen. Ein einzig und allein diesem Zweck verantwortliches Hochgefühl.

Optimierung als dauerhaftes Ziel im Hedonismus

Gehen wir von einem weniger materialistischen, eher epikuräischen Lustbegriff aus, so soll Liebe exakt nur der Befriedigung dieser Lust dienen. Geht die Liebe einseitig verloren, so gebietet es das hedonistische Optimierungsdiktat, eine aus dieser Liebe ergründete Beziehung zu beenden. Andernfalls wird auch beiderseitig die Liebe verloren gehen und zwar immer einhergehend mit einem Verlust ihrer Daseinserechtigung, der Schaffung von Glück.

Demhingegen sind Beziehungstherapie und ähnliche Versuche, eine Beziehung zu retten, aber deshalb nicht abzulehnen, da sie aus der beiderseitigen Einschätzung entstehen, dass die Liebe eben nicht verloren, sondern lediglich durch äußere Umstände gefährdet ist. Dies bedeutet also den beiderseitigen Wunsch, lediglich die Rahmenbedingungen zu verändern vor dem Kontext noch immer existierender Liebe.

Rahmenbedingungen – oder der Weg zur perfekten Beziehung

Die in einer Beziehung gewählten bzw. etablierten Rahmenbedingungen sind niemals Gratmesser für die Verweildauer der Liebe. Noch so schlechte Beziehungen funktionieren, einfach nur aus dem Vorhandensein der Liebe heraus. Mit zunehmendem Perfektionsgrad der Rahmenbedingungen nimmt lediglich der Grad an Aufmerksamkeit und Neid der Umwelt für die Beziehung zu – und deren Unverständnis im Falle einer Trennung. Mit Verlaub, zu perfekten Rahmenbedingungen einer Beziehung gehört womöglich auch die hürdenlose Möglichkeit, sich im Fall des Liebesverlustes nach eingehenden Gesprächen einvernehmlich zu trennen und dabei nur die notwendigsten Unnanehmlichkeiten in Kauf zu müssen, ohne Angst vor Rache oder Verwerfung.

Liebe als unfassbares Konstrukt – ein biochemischer Erklärungsversuch

Liebe kommt also und geht, unabhängig von Rahmenbedingungen, ist nicht prognostizierbar, planbar oder therapierbar. Genauso unfassbar wie das Gefühl ihrer Ankunft sind somit die Gründe für ihr Verlassen. Was sind dann aber die Gesetzmäßigkeiten, denen Liebe unterliegt? Serotonin und Dopamin. Die naturwissenschaftliche Kühlheit dieser Aussage wird jedoch durch die Tatsache abgeschwächt, dass das menschliche Gehirn wohl in der Lage ist, deren Ausschüttung aufgrund einer schier endlosen Verkettung von Nervenimpulsen selbst zu regulieren. Die Existenz von Liebe ist dennoch wenig zu steuern oder auch nur zu ergründen, da in den seltensten Fällen vernünftig greifbare, geschweigedenn reproduzierbare Bewertungsprozesse zur Ausschüttung von Serotonin und Dopamin führen.

Sind, grob umschrieben, Gefühle der Geborgenheit und Begeisterung für eine Person erst etabliert, so können kleinste Selbsterkenntnis oder Veränderung im eigenen Bezugsrahmen eine über Sekunden oder Monate dauernde Kettenreaktion der Neubewertung nach sich ziehen und schließlich im Abfall des Serotonin- oder Dopaminspiegels führen. Beispielsweise kann dann ein stark abgesenkter Dopaminspiegel in Situationen innerhalb und ein stark erhöhter in Situationen außerhalb der Beziehung zu einer Neubewertung führen, nach der ein Abfall des Serotoninspiegels gern in Kauf genommen werden darf.

Konsequenzen für Glück und Unglück nicht mehr Liebender

Liebe ist somit Zustand und nicht Quest. Und existiert nur mit dem einzigen Ziel, den sie erlebenden Menschen nachhaltig glücklich zu machen. Nach ihrem Verlust ist das Gebot der Stunde, jedoch weder sich zu distanzieren noch als Noch-Liebender nachzutrauern oder zu versuchen. Die Tatsache, dass die Liebe anwesend war, ist Grundlage für nachhaltiges Glückempfinden, in dem Wissen, dass Liebe existiert und einem selbst widerfährt. Erstrebenswert für ehemalige Paare kann es also durchaus sein, sein Glück durch weiteren Kontakt zu steigern. Entweder, um aus den Rahmenbedingungen und der restlichen emotionalen Lage eine Freundschaft zum Glück beider zu gründen. Oder nur um als einzige Eingeweihte sich auch in Jahren noch ins Gedächtnis zu rufen: „Aber es war“.